Detail aus der St. Hedwigs-Kathedrale in Stockholm;

Photographie: Hans Reiner Haberstock

 

Der Psalm zum 18. Sonntag nach Trinitatis

am 11. Oktober 2020

 

Psalm 1

 

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen

noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

 

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.

 

Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten,

aber der Gottlosen Weg vergeht.

Zum 17. Sonntag nach Trinitatis

Psalm 138

Von David. Ich danke dir von ganzem Herzen, vor den Göttern will ich dir lobsingen.

Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel hin und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast dein Wort herrlich gemacht um deines Namens willen.

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.

Es danken dir, HERR, alle Könige auf Erden, dass sie hören das Wort deines Mundes; sie singen von den Wegen des HERRN, dass die Herrlichkeit des HERRN so groß ist.

Denn der HERR ist hoch und sieht auf den Niedrigen und kennt den Stolzen von ferne.

Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde und hilfst mir mit deiner Rechten.

Der HERR wird's vollenden um meinetwillen.

HERR, deine Güte ist ewig.

Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.

Zum Erntedank

 

Psalm 104   

 

Lob des Schöpfers

 

 

 

Lobe den HERRN, meine Seele!

HERR, mein Gott, du bist sehr groß; in Hoheit und Pracht bist du gekleidet. Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt; du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes, der du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern;

der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es nicht wankt immer und ewiglich.

 

Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, dass alle Tiere des Feldes trinken und die Wildesel ihren Durst löschen. Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen. Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke. Die Bäume des HERRN stehen voll Saft, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat. Dort nisten die Vögel, und die Störche wohnen in den Wipfeln. Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs.

 

Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang. Du machst Finsternis, dass es Nacht wird; da regen sich alle Tiere des Waldes, die jungen Löwen, die da brüllen nach Raub und ihre Speise fordern von Gott. Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon und legen sich in ihre Höhlen. Dann geht der Mensch hinaus an seine Arbeit und an sein Werk bis an den Abend.

 

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. 

 

Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde.

 

Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich,

der HERR freue sich seiner Werke! 

 

Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin. Mein Reden möge ihm wohlgefallen. Ich freue mich des HERRN

Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Wochenspruch zum

15. Sonntag nach Trinitatis,

am 20. September 2020:

 

Erster Petrusbrief 5,7:

 

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

 

 

 

 

 

Psalm 127 An Gottes Segen ist alles gelegen

 

Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

 

Psalm zum Kirchweihfest der Luthergemeinde

am 13. September 2020

Psalm 84

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!

 

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;

mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.

 

Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.

HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler.

 

Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; / der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wochenspruch zum 12. Sonntag nach Trinitatis

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

Jesaja 42, 3a

 

Psalm 147

Lobet den HERRN

Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön.

Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels.

Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen.

Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit.

 

Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.

 

Singt dem  HERRN ein Danklied und lobt unsern Gott mit Harfen, der den Himmel mit Wolken bedeckt und Regen gibt auf Erden; der Gras auf den Bergen wachsen lässt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die zu ihm rufen.

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

 

Psalm zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 23. August 2020

 

Worte aus Psalm 145

        (Ein Loblied Davids)

 

 

 

 

 

Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

 

Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.

 

 

 

Der HERR ist getreu in all seinen Worten und

gnädig in allen seinen Werken.

 

Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf,

die niedergeschlagen sind.

 

Aller Augen warten auf dich, und

du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.

 

Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,

allen, die ihn mit Ernst anrufen.

 

Amen!

 

Psalm zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 16. August 2020

 

Ein Segenswunsch für Jerusalem

Psalm122

Von David, ein Wallfahrtslied.

 

Ich freute mich über die,

die mir sagten:

Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN!

 

Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.

 

Das Jaffa-Tor in Jerusalem, Foto: Reiner Haberstock

 

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt,

in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufziehen,

die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel,

zu preisen den Namen des HERRN.

Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David.

 

Wünschet Jerusalem Frieden!

 

Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!

Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen 

will ich dir Frieden wünschen.

Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes,

will ich dein Bestes suchen.

 

Psalm zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 9. August 2020

Psalm 63, 1-9

Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war.

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

 

Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Psalm zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2020

 

1. Morgenglanz der Ewigkeit,

Licht vom unerschöpften Lichte,

schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

2. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; lass die dürre Lebensau lauter süssen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar.

3. Gib, dass deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte,

und erweck uns Herz und Mut bei entstandner Morgenröte,

dass wir eh wir gar vergehn, recht aufstehn.

4. Ach du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am Jüngsten Tage

unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage,

sich auf jener Freudenbahn freuen kann.

5. Leucht uns selbst in jener Welt, du verklärte Gnadensonne;

führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süssen Wonne,

da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht.

 

Christian Knorr von Rosenroth (1654) 1684

 

Gedanken zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juli 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brot, Wein und Fisch, Meistermann-Fenster in der Lutherkirche,

 

Foto:

Reiner Haberstock

 

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,

sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“

(Epheserbrief 2,19, Wochenspruch zum 7. Sonntag nach Trinitatis)

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Auf einer Wiese ist ein langer, festlich gedeckter Tisch aufgebaut. An der Tafel sitzen Menschen aus aller Welt und verschiedener Generationen zusammen, die Kinder springen immer wieder auf und rennen auf der Wiese herum. Am Tisch sind die Menschen in Gespräche vertieft, einander zugewandt, hören  sich aufmerksam zu, immer wieder ist Lachen zu hören. Manchmal wird ein Musikinstrument hervorgeholt, eine Flöte erklingt, dort eine Gitarre. Wenn jemand dazu kommt zu der Tischgemeinschaft, wird für ihn – für sie - sofort ein Platz gefunden, ebenso feierlich und liebevoll gedeckt wie die anderen. Alle sind eingeladen zu dieser Tischgemeinschaft, niemand bleibt außen vor…

 

Ist diese Tischgemeinschaft nicht ein wunderschönes Bild für das Reich Gottes?

Tischgemeinschaft. Sie ist von der Bedeutung her zutiefst mit dem Abendmahl verbunden, ganz besonders auch am 7. Sonntag nach Trinitatis (26. Juli 2020), denn das Abendmahl ist das Thema dieses Sonntags. Doch „coronabedingt“ kann in unserer Kirche noch kein Abendmahl gefeiert werden. So sehr uns das Abendmahl fehlt, so sind wir doch als Gemeinde  - und darüber hinaus - dennoch  auch jetzt in einer Tischgemeinschaft verbunden  und zwar im geistlichen Sinn. Denn Abendmahl bedeutet ganz besonders auch „Angesprochen“- und Gerufen-Werden durch Jesus Christus, in dem uns das lebendige Wort Gottes begegnet.

 

Angesprochen- und Gerufen-Werden durch das lebendige Wort Gottes… Mir fällt dazu auch eine Geschichte aus der Hebräischen Bibel ein: Der Prophet Elia hat sein Leben Gott verschrieben. Doch jetzt wird er von Feinden bedrängt. Elia ist aufgerieben und „ausgebrannt“, er zweifelt an allem. In seiner Verzweiflung setzt sich Elia mitten in der Wüste unter einen Ginsterstrauch und wünscht sich nur noch eines – zu sterben. Da kommt ein Engel und stellt Elia ein Brot hin und einen Krug Wasser. Das geschieht zwei Mal. Und jedes Mal ermutigt der Engel den Propheten Elia: „Steh auf und iss!“ Und beim zweiten Mal sagt der Engel noch dazu: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“ (1. Könige 19, 1-8) Ich habe bisher diese Geschichte immer so verstanden, dass vor allem das Brot und das Wasser den Propheten gestärkt haben. Heute lese ich die Geschichte anders: Ist es nicht besonders das Wort Gottes durch den Engel, das Elia ermutigt nicht aufzugeben?! „Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir…“

 

Das lebendige Wort Gottes. Von Gott angesprochen und gerufen zu sein. Das erfahren wir als Christinnen und Christen vor allem durch Jesus Christus. Wie es in dem Lied von Eckart Bücken heißt… Ein Lied, das ermutigt und stärkt, gerade auch in diesen Wochen, die immer wieder durch die Corona-Pandemie belastet sind: „Er ist das Brot, er ist der Wein, steht auf und esst, der Weg ist weit. Es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein, es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein“ (Evangelisches Gesangbuch 228)

 

Wenn wir von Jesus Christus angesprochen und gerufen werden – im Gottesdienst und in anderen gesegneten Momenten – dann wachsen wir als Gemeinde und darüber hinaus zu einer geistlichen Tischgemeinschaft. Dann wird das lebendige Wort Gottes zum geistlichen Brot für uns, das uns stärkt und ermutigt, auf allen Wegen, die wir gehen.

 

Dass Sie das immer wieder erleben dürfen, das wünsche ich Ihnen von Herzen. Und auch das: Dass Sie in segensvollen Momenten erfahren, dass wir alle eingeladen sind in eine noch ganz andere Tischgemeinschaft. Eine Tischgemeinschaft, in die jeder und jeder herzlich eingeladen und willkommen ist. Das Reich Gottes. Das durch Jesus Christus schon in diesem Leben immer wieder aufleuchtet.

 

Mit Segensgrüßen,

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

Psalm zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juli 2020

 

Gott – allwissend und allgegenwärtig

 

Spräche ich:

 

Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein –

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.

 

Finsternis ist

wie das Licht.

 

Foto © Christian Schwarz 

                                                                                                                           

Psalm 139, 1-12:

 

Ein Psalm Davids, vorzusingen. HERR, du erforschest mich und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. 

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Finsternis ist wie das Licht.

 

 

Quelle:

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.

Gedanken zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 12. Juli 2020

 

Und etwas anderes wird sichtbar werden: Die von Gott gewandelte Welt.

Foto © Christian Schwarz

                    

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

gibt es für Sie einen Ort, an dem Sie sich besonders entspannen und zur Ruhe kommen können? Vielleicht gerade jetzt besonders in diesen Wochen und Monaten, die durch die Corona-Pandemie auch immer wieder so belastet waren und sind?

 

Für mich ist es immer sehr entspannend, draußen zu sein. Und vielleicht besonders, an einem See zu sitzen. Die Sonne lässt das Wasser glitzern, braun, blau und grün. Irgendwo singt ein Vogel. Ein Windhauch kommt und bewegt das Wasser, es schlägt gegen die Steine, gluckert. Und manchmal, wenn ich so sitze, ist der Alltag ganz weit weg. Ja, dann ist es so, als würde der Alltag wie ein Vorhang sich öffnen und etwas anderes sichtbar.

 

Im Neuen Testament ist der See Genezareth ein ganz besonderer Ort.

Der Ort, an dem Jesus aus Nazareth predigt und die ersten Jünger beruft. Der Ort, an dem der Alltag plötzlich sich öffnet wie ein Vorhang und etwas ganz anderes aufleuchtet. Das Reich Gottes. 

 

Das erfahren auch Simon – der später „Petrus“, also „Fels“ genannt wird-  und andere Männer, die Jesus als erste Jünger beruft. Im Lukasevangelium im 5. Kapitel wird erzählt, wie Jesus von Nazareth den  Simon und andere Fischer bittet, erneut auf den See Genezareth hinauszufahren und die Netze auszuwerfen… Und das obwohl die Fischer die ganze Nacht draußen waren und nichts gefangen haben… Sie werden überreich belohnt: Denn sie fangen so viele Fische, dass die Boote fast kentern!  -- Wieder an Land fordert Jesus dann Simon und die anderen auf, sie sollten jetzt Menschenfischer werden: Sie sollten also selbst Zeugnis ablegen vom lebendigen Wort Gottes. Und wenn sich Menschen davon ansprechen und berühren lassen, dann könnten sie dafür dankbar sein, darüber staunen und sich freuen wie an dem überreichen Fischfang. Das alles… ein Wunder!

 

Aber beginnt das Wunder nicht schon früher? Denn allein auf Jesu Wort hin fahren Simon und die anderen Fischer abermals hinaus auf den See. Obgleich sie doch die ganze Nacht draußen waren und keinen einzigen Fisch fingen. Simon hat die Erfahrung auf seiner Seite: Die Erfahrung seines gesammelten Berufslebens, dazu die Erfahrung seines Vaters und Großvaters, allesamt Fischer… Zutiefst weiß Simon darum: Wenn sie in der Nacht keine Fische fingen, dann wird es jetzt in der Helligkeit und in der Unruhe des Tages erst recht nicht gehen. Simon könnte sagen: „So ist es und so wird es bleiben“. Und argumentieren wir nicht auch zuweilen so? Simon aber lässt sich auf Jesu Wort hin überzeugen, all seiner Lebenserfahrung zum Trotz. Simon also zeigt sich ansprechbar dafür, dass es mehr gibt als das tägliche Leben, das uns vor Augen liegt.

Und erst diese Offenheit Simons für das lebendige Wort Gottes. Erst das  ermöglicht, dass der Alltag sich öffnet wie ein Vorhang. Und dass das Reich Gottes sichtbar wird.

 

Das ganze bisherige Leben hinter sich lassen, um Jesus Christus nachzufolgen? Das werden wir vermutlich nicht. Aber „Zeugnis abgeben“, das können wir doch trotzdem? „Zeugnis abgeben“ – also von unserem Glauben erzählen: Wo berührt uns das lebendige Wort Gottes? In welchen Momenten fühlen wir uns getragen und begleitet von Gott?  Wann zaudern und zweifeln wir und fühlen einen Riss durch unseren Glauben gehen? Und wann wiederum spüren wir, uns geborgen in Gott? Wenn wir uns anderen Menschen öffnen... Und - durchaus auch nach Worten suchend und stammelnd - von unserem Glauben erzählen. Dann kann es in gesegneten Momenten so sein als würde der Alltag sich öffnen wie ein Vorhang… Und etwas anderes sichtbar werden… Die von Gott gewandelte Welt.

 

Ich wünsche Ihnen solche segensreiche Momente.

 

Mit herzlichen Grüßen,

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

 

Vergeltet niemandem

Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden

 

 

 

Foto: Hans Reiner Haberstock

 

Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

vielleicht kennen auch Sie, schon von Kindheit an, die Josefsgeschichte aus dem Alten Testament?

 

Am Ende der Geschichte mach Josef etwas Ungewöhnliches. Und für unseren Kulturkreis ist das, was Josef da macht - bei einer erwachsenen Frau und vielleicht noch mehr bei einem erwachsenen Mann - möglicher Weise noch unvertrauter: Denn Josef weint. Öffentlich. Und bitterlich. Josef lässt seinen Tränen freien Lauf. Er weint so, dass es ins Herz schneidet.

 

Warum weint Josef, in diesem Moment, als seine Brüder ihn - nach dem Tod des Vaters - abermals um Vergebung bitten? Weint er auch deshalb, weil er wieder für einen Moment Kind ist? Ein Kind, so unbedarft und fröhlich. Ein Kind, das seinen Brüdern ganz unbekümmert von dem tollen Mantel erzählt, den der Vater ihm geschenkt hat, und den Mantel herzeigt. Und dabei nicht merkt, wie sehr er seine Brüder verletzt, die sich hinten angestellt fühlen und Grund dazu haben. Denn der Vater Jakob liebte Josef mehr als seine älteren Brüder. Weint Josef, weil er wieder empfindet,  was die Brüder ihm angetan haben? Umbringen wollten sie ihn! Nur der älteste Bruder hatte Einsicht - ein wenig. Denn weghaben wollte auch er den jüngeren, den vom Vater so geliebten Bruder. So wurde Josef in einen Brunnen geworfen und letztlich als Sklave nach Ägypten verkauft.

 

Fühlt Josef sich wieder wie im Brunnen? Ein Kind im Dunklen voller Todesangst? Oder wie im Gefängnis, in das er später auch geriet? Sind die Tränen, die Josef weint, auch Tränen der Freude darüber, dass ihm dann in Ägypten eine beispiellose Karriere gelang? So rettete Josef ganz Ägypten und auch seine Familie vor dem Hungertod. Nach Ägypten hatte Josef ja seine Familie kommen lassen, nachdem er die Brüder hart auf die Probe gestellt hatte und diese sich bewährt hatten. Nun zeigten die Brüder nämlich, dass sie sich nicht mehr vor allem um sich selbst sorgten, sondern um Benjamin, den jüngsten Bruder, und alten Vater.

 

Jetzt, nach dem Tod des Vaters, aber haben seine Brüder wieder Angst vor ihm. Vielleicht weint Josef vor allem deshalb? Weil es ihn erschüttert, dass seine Brüder nicht von selbst begreifen: Ja, sie sind Menschen. Manchmal ineinander verkeilt in Streit und Konflikten, ja sogar in Gewalt und Rachegelüsten. Dass sie aber  von Gottes großer Liebe umgeben sind wie von einem wärmenden Mantel. Gottes Liebe, die es uns Menschen möglich macht uns zu verändern. Gottes Liebe, die selbst dann, wenn wir Menschen etwas Böses möchten, doch alles zum Guten fügen kann. So sagt Josef: Ihr wolltet es böse mit mir machen, Gott aber gedachte es gut zu machen.

 

Dass wir Menschen von Gottes Liebe umgeben sind wie von einem wärmenden Mantel. Und es uns gerade diese Liebe ermöglicht, uns zu verändern und den Frieden zu suchen. Das dürfen wir in segensvollen Momenten erleben. Im Kleinen. In den Beziehungen innerhalb der Familie und des Freundeskreises, der Nachbarschaft. Und im Großen, in den gesegneten Momenten, wenn zwischen Ländern Frieden möglich wird.  Wenn wir das erleben dürfen, dann können schon mal Tränen fließen. Tränen der Erleichterung. Tränen, weil durch Gottes liebevolle Hinwendung, eine so andere Welt möglich wird.

Eine Welt, nach der wir, beflügelt von Gottes Liebe nicht aufgeben zu sollen zu trachten. Wie es der Apostel Paulus uns ans Herz legt:

 

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden (Römerbrief 12, 17-18)

 

Mit sommerlichen Segensgrüßen,

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

 

 

Gottes Liebe leuchtet

in unser Leben hinein...

 

 

Farbimpressionen der Meistermann-Fenster in der Lutherkirche

 

Foto: Hans Reiner Haberstock

 

Gedanken zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2020

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen…

 

 So heißt es im Psalm 103, dem Wochenpsalm für den dritten Sonntag nach Trinitatis am 28. Juni. Wenn ich dieses Gebet spreche, dann denke ich auch an die Seelsorge-Fortbildung, die ich vor einigen Jahren gemacht habe. In dieser Fortbildung feierten wir auch gemeinsam Andachten. Und bei einer Andacht sagte der Mentor, der mich ausbildete: Er liebe den Psalm 103.Und zwar deshalb so besonders, weil hier Gott sich voller Gnade und Barmherzigkeit  an die Gebrechlichkeit von uns Menschen bindet.

 

Gott bindet sich liebevoll an uns Menschen, die wir gebrechlich und verletzlich sind…

 

Wenn ich  darüber nachdenke, tritt mir ein Bild vor Augen. Das Bild eines ganz kleinen, neugeborenen Kindes. Solch ein neugeborenes Kind ist so wunderschön – und so verletzlich, so angewiesen auf die Fürsorge anderer Menschen. Schon oft habe ich beobachtet, dass Erwachsene und auch schon größere Kinder ganz behutsam und leise wurden, wie auf Zehenspitzen gingen, wenn ein so kleines Baby im Raum ist. Und vielleicht ist es bei Gott ja ganz ähnlich? Gott sieht uns Menschen an, wie verletzlich wir sind  - auch wenn wir längst erwachsen sind – und wie angewiesen vor allem auch auf Gottes Liebe. Und ganz sanft und behutsam „wie auf Zehenspitzen“ wendet sich Gott uns liebevoll zu, trotz und gerade in unserer Verletzlichkeit. Und dass all unsere Pläne für die Zukunft zerbrechlich und wir selbst mit unserem ganzen Leben verletzlich sind, das erfahren wir intensiv in diesem durch die Corona-Epidemie geprägten Jahr …

 

In all unserer Verletzlichkeit. Und auch trotz allem, wo wir schuldig werden und anderen Menschen etwas schuldig bleiben, bindet sich Gott an uns.

Dabei haben vielleicht auch Sie in gesegneten Momenten schon erfahren, wie Gottes Liebe alles durchströmt und die Welt um Sie herum und Ihr ganzes Leben zum Leuchten bringt? Daneben gibt es vielleicht eher stille, alltägliche Momente, in der Gottes Liebe fast unbemerkt bleibt, wie ein Blume, die am Wegesrand blüht. Und doch dürfen Sie darauf vertrauen, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit Ihr ganzes Leben durchklingt, manchmal auch zart und leise wie ein Flötenton.

 

Voller Freude und Dankbarkeit sich daran zu erinnern und jeden Tag neu zu entdecken, wie Gott sich Ihnen liebevoll zuwendet – das wünsche ich Ihnen gerade  jetzt in dieser Zeit, die zuweilen so ungewiss ist, um so mehr!

 

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen...

 

Mit Segenswünschen,

 

Pfarrerin Melanie Lohwasser

Psalm 103

Von David. Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, 

der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. 

Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden. 

Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun. Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. 

Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. 

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. 

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles.

Lobet den HERRN, ihr seine Engel, / ihr starken Helden, die ihr sein Wort ausführt, dass man höre auf die Stimme seines Wortes! 

Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!

Lobet den HERRN, alle seine Werke, / an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den HERRN, meine Seele!

 

Quelle: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, 

© 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jona  unterm Rizinusstrauch, Evangelische Kirche auf der Insel Helgoland

Foto: Hans Reiner Haberstock

 

Gedanken zum 2. Sonntag nach Trinitatis

 

Liebe Leserin,   lieber Leser,

 

bestimmt haben Sie schon zuweilen den Kopf in den  Nacken gelegt und beobachtet, wie die Wolken  ziehen?

Oder am Meer gestanden und hinausgeblickt  - weit hinaus - bis zum Horizont, dort wo Meer und Himmel sich zu berühren scheinen?

Oder Sie haben in einer sternklaren Nacht im Freien gesessen und gesehen, wie sich das Sternenzelt über Ihnen ausbreitet…. Wie weit der Himmel ist! Und so weit ist Gottes Güte… Davon erzählt der wunderschöne Wochenpsalm:

 

Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen

(Psalm 36, 6) 

Gottes liebevolle Zuwendung umfasst jeden Menschen, jedes Tier und jede noch so kleine Pflanze. Um diese Güte und auch um das Mitfühlen Gottes geht es zutiefst im Buch Jona!

 

Jona kann seinem Auftrag nicht entfliehen. Er predigt der Stadt Ninive, dass  alle in ihr umkehren sollen. Und Ninive, diese große Stadt – kehrt um! Der König voran und alle Menschen und sogar die Tiere tragen Sack und Asche und fasten. Das sind aber nur äußere Zeichen dafür, dass die Menschen, die Frauen, Männer und Kinder von Ninive sich zu Gott bekennen und in diesem Glauben nun ihr Leben von Grund auf ändern.

 

Es ist eine grundlegende Lebensänderung, die an der Wurzel beginnt am Glauben. Und dann alle anderen Lebensbereiche umgreift, das Verhalten, das soziale Miteinander. So etwa als würden alle Menschen hier in Frankfurt und weit darüber hinaus auf einmal verstehen, dass wir in vielen Bereichen, zum Beispiel  im Blick auf die Schöpfung  so leben als gäbe kein Morgen. Und wir dann dieses Leben aus dem Glauben heraus von Grund auf veränderten.

 

Zuweilen wird diskutiert, ob die Corona-Pandemie ein solches Innehalten erzwingen könnte.  Ein Nachdenken darüber: Was ist wirklich wichtig?  Wie wollen wir morgen leben, welche Welt wollen wir der Generation der Kinder und Kindeskinder überlassen? Aber tritt dieses Nachdenken wirklich ein? Oder wirkt die Corona-Pandemie auch hier nur Schlechtes? Verstärken sich durch Corona nicht noch die sozialen Ungerechtigkeiten - ärmere Menschen sind auf der ganzen Welt weit mehr von Corona betroffen… Und die Fragen um die Bewahrung der Schöpfung, werden sie nicht gewissermaßen verschüttet durch die Corona-Epidemie? Kann  denn überhaupt etwas, was schlecht ist, wie diese Krankheit, letztlich auch etwas Gutes mitbewirken?

 

In der Geschichte von Ninive jedenfalls ist es ganz anders. Eine grundlegende, alles umgreifende Lebensänderung, aus der Wurzel, aus dem Glauben heraus. Ein Wunder!  Und wie wird dieses Wunder möglich?  Die Menschen ändern ihr Leben grundlegend aufgrund einer ganz zarten Hoffnung : „Vielleicht werden ja nicht nur die Menschen, vielleicht wird auch Gott umkehren. Und Ninive bewahren… Auch dieses Wunder geschieht. Gott lässt sich jammern. Ja, Gott bereut, dass er Ninive zerstören wollte. Gott behütet Ninive.

 

Ein Happy end?! Ja, aber noch nicht ganz. Jona ist ganz und gar nicht zufrieden: Geht das nicht alles viel zu schnell und zu einfach? Nun könnten wir leicht über Jona und seinen Überdruss urteilen. Aber vielleicht  ist es ja  so, dass Jona sich einfach nicht vorstellen kann, dass Menschen sich so umfassend ändern können?  Heucheln sie nicht nur? Jeder und jede von uns, die schon ein zweites Mal Vertrauen in einen Menschen gesetzt hat und abermals enttäuscht wurde, kann Jona vielleicht ein wenig verstehen. Oder wie ist es, wenn wir in der Zeitung von einem Menschen lesen, der – oder die – in einem Unrechtsstaat eine mächtige Position innehatte, dem scheinbar nur abschwört und ungeschoren weiterlebt? Kann uns da nicht auch manchmal die Wut packen wie Jona?!

 

Nein, dass Menschen sich so grundlegend ändern, das ist alles andere als alltäglich. Es ist ein Wunder. Um dieses Wunder aber erkennen zu können, um zu merken, dass die Menschen in Ninive sich redlich bemühen, dafür braucht es Mitgefühl. Das Mitgefühl Gottes. Und das Mitgefühl von Menschen. Davon erzählt das Jona-Buch noch. Und vielleicht ist das das größte Wunder. Gott lässt  in der Wüste eine Staude, einen Busch über Jona wachsen. Am nächsten Morgen aber kommt ein Wurm, so dass die Staude verdorrt. Jona  in der Tageshitze hat diese Staude liebgewonnen und ist verzweifelt.

Und Gott sagt: Dich jammert um diese Staude, um die Du Dich nicht gemüht hast und mich sollte nicht jammern um Ninive eine so große Stadt mit all den Menschen und Tieren?

 

Auch hier finden wir uns vielleicht in Jona wieder: Ist es nicht zuweilen so, dass etwas, das unser Leben berührt, unser leichter mitfühlen lässt? Dass wir uns sorgen schon um die Blume am Wegesrand oder den Baum im Park. Dass es uns aber vielleicht schwerer fällt, mitzufühlen mit Menschen, die weit weg sind und die wir in den Nachrichten sehen?

 

Bei Gott ist es anders, davon erzählt das Jona-Buch. Für Gott ist kein Mensch fern. Und so fühlt Gott mit jedem Menschen, mit jedem Tier und mit jeder noch so kleinen Pflanze. Aus diesem Mitgefühl Gottes leben wir und so können wir uns immer wieder redlich darum bemühen, uns voller  Mitgefühl anderen zuzuwenden.

 

Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Mit Segenswünschen

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

 

Gedanken zum 1. Sonntag nach Trinitatis

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

„Jona? Das ist doch der  mit dem Fisch?!“ So denken Sie vielleicht, wenn Sie an das Buch Jona aus dem Alten Testament denken.

 

 Am kommenden Sonntag – dem Ersten nach Trinitatis- gehört der Beginn der Geschichte dieses verzagten und dann doch auch so mutigen Propheten zu den möglichen Predigttexten.

Vielleicht ist Ihnen die Geschichte von Jona schon seit Kindertagen vertraut?

 

 

 

Bild: Jonamotiv auf dem Taufbecken der

Evangelischen Kirche auf Helgoland

Foto: R Haberstock

 

Wie oft bei scheinbar bekannten Geschichten aus der Bibel lohnt sich ein zweiter – und viele weitere Blicke.

 

Ich erzähle die Geschichte ein wenig nach, die Sie in der Bibel ausführlicher – und schöner!- finden: Jona bekommt von Gott den Auftrag nach Ninive zu gehen- eine große Stadt, die nicht zu Israel gehört. Jona, so sagt Gott, solle dieser Stadt predigen, sie zur Umkehr zu bewegen, denn die Stadt sei böse. Was aber macht Jona? Er macht sich aus dem Staub. Er flieht vor Gott und diesem großen Auftag.

 

Was für ein feiger Prophet! So lässt sich jetzt leicht urteilen. Aber ist das so einfach? Einer ganzen Stadt zu sagen, sie sei über das Maß böse und sie solle ihr Leben radikal, von Grund auf, sozusagen um 180 Grad verändern. Das ist alles andere als leicht.  Wir merken jetzt vielleicht  in diesen Tagen, wie schwer es ist, viel kleinere Kritik zu äußern – und auszuhalten. Etwa wenn wir sagen – oder hören…-  müssen: „Halten Sie doch bitte den Abstand ein.“ Jetzt in dieser Situation, in der vieles zu unklar ist, können auch Familien- und Freundeskreise die Corona-Pandemie unterschiedlich beurteilen, sich auf verschiedene Weise verhalten und vielleicht darüber in Streit geraten. Ich merke an mir selbst, wie schwierig ich es finde, mein Verhalten nahezu jeden Tag neu auszuloten – und wie feinfühlig ich gegenüber Kritik bin.

 

Und Jona hatte eine viel umfassendere Kritik zu äußern- und das gleich an einer ganzen Stadt, an einer Metropole. Das führt doch bestimmt zu Streit. Ich kann Jona verstehen, dass er dem aus dem Wege gehen will, dass er abhaut.

Doch er kommt damit nicht durch. Bis ans Ende der Welt wäre Jona am liebsten geflohen.  So besteigt er ein Schiff. Dann jedoch mitten auf dem Meer, bricht ein so gewaltiger Sturm aus, dass die ganze Mannschaft  verzweifelt und denkt, sie müssten gleich sterben. In ihrer Verzweiflung werfen sie das Los, um herauszufinden, wer schuld daran ist, dass sie in diese katastrophale Lage geraten sind. Das Los fällt auf Jona.

 

Und anders als zuvor… Als er floh und sich „aus der Affäre ziehen wollte“….  Anders als zuvor ist Jona jetzt sehr mutig und standhaft. Er gibt sich zu erkennen, dass er vor dem Auftrag Gottes floh. Und als die anderen fragen, was machen wir denn jetzt? Da übernimmt Jona Verantwortung.

 

Wie wichtig ist es, dass Menschen Verantwortung übernehmen für ihr eigenes Fehlverhalten und Denken, ja ihre Schuld!  Mir gehen in diesen Tagen auch die Bilder der gewaltsamen Tötung des schwarzen Amerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten  (und die anderen dabei untersützenden Polizisten) durch den Sinn. Und auch die darauf folgenden  Demonstrationen in so vielen Städten auf der ganzen Welt, auch hier auf dem Frankfurter Römerberg gegen Rassismus. Es wird unter anderem gefordert, politische Entscheidungen zu ändern, die Diskriminierungen verstärken,  und Rassismus, der sich durch Institutionen zieht, zu benennen und aufzuarbeiten. Letztlich wird auch gefordert, dass jeder und jede von uns das „eigene Denken überdenkt“: Wo bin ich selbst in Vorurteilen verhaftet? Wo stecke ich Menschen in Schubladen? Die eigenen Prägungen, die auch mit Stereotypen und Vorurteilen einhergehen, zu hinterfragen, das ist ein lebenslanger, unendlich wichtiger, Lernprozess. Letztlich geht es darum, die Verantwortung für das eigene Denken und Handeln zu übernehmen.

 

So wie der Prophet Jona es in einer bewundernswerten Weise tut. Er steht für sein Fehlverhalten ein und wäre sogar bereit, den eigenen Tod in Kauf zu nehmen. Jona sagt „Nehmt mich und werft mich über Bord!“ Die Mannschaft tut das. Sofort beruhigt sich das Meer.

 

Jona aber wird von einem großen Fisch verschlungen. Dass es ein Wal war, steht nicht in der Bibel.Es ist ein Riesenfisch, wie einUngeheuer. Welch entsetzliche Angst muss Jona ausstehen!. Im Bauch des Fisches aber – stirbt Jona nicht. Stattdessen wird er von Gott gehalten und bewahrt in der tiefsten Tiefe. Und aus aller Finsternis heraus betet Jona dieses hoffnungsvolle Gebet:

 

Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme. Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich (…) Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!

 

Dieses Bewahrt-Werden von Gott in der „tiefsten Tiefe“ zu erfahren, das wünsche ich uns allen von Herzen!

 

In der Jona-Geschichte leuchtet für Christinnen und Christen noch etwas anderes auf: Denn Jona war drei Tage im Bauch des Fisches, bevor er von diesem ausgepien wurde. So wie Jesus Christus war drei Tage tot gewesen ist, bevor Gott ihn auferweckte. Jesus Christus war im Dunkeln der Grabeshöhle, ja war schon hinabgestiegen in das Reich der Toten- wie wir im Glaubensbekenntnis bekennen. So wie Jona im Bauch des Fisches war. So klingt für uns in die Geschichte von Jona  hinein: Selbst die allertiefste Tiefe ist keine Trennung von Gott, keine Gottferne. Denn selbst und gerade im Tod wird Gott bewahren und befreien und kommt nahe.

Und so dürfen wir in dieser Zeit, die in vielem so ungewiss und  verunsichernd bleibt, die Geschichte von Jona auch als Hoffnungs- auch als Ostergeschichte lesen.

 

Mit Segensgrüßen,

 

Pfarrerin Melanie Lohwasser

 

Worte aus Psalm 36

 

HERR,

deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

 

Foto. Hans Reiner Haberstock

 

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

 

HERR, du hilfst Menschen und Tieren. 

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder

unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. 

 

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht. 

Breite deine Güte über die, die dich kennen,

und deine Gerechtigkeit über die Frommen.

Worte aus Psalm 34

 

Ich will den HERRN loben allezeit;

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den HERRN

und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

 

Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

 

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.

Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.  

Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Worte aus Psalm 145

        (Ein Loblied Davids)

 

Ich will dich erheben, mein Gott, ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

 

Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen.

Sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht;

deinen Wundern will ich nachsinnen.

 

Sie sollen reden von deinen mächtigen Taten,

und ich will erzählen von deiner Herrlichkeit;

sie sollen preisen deine große Güte und deine Gerechtigkeit rühmen.

Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

 

Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.

Der HERR ist getreu in all seinen Worten und

gnädig in allen seinen Werken.

 

Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf,

die niedergeschlagen sind.

 

Aller Augen warten auf dich, und

du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.

 

Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,

allen, die ihn mit Ernst anrufen.

 

Amen!

 

Anmerkung zu dem Wort: HERR in der hebräischen Bibel

 

Wo wir heute in der Bibelübersetzung von Martin Luther das Wort HERR mit den vier Großbuchstaben lesen, von denen, wie Sie es hier sehen, der erste Buchstabe, das H größer ist als die drei folgenden Buchstaben, steht in der hebräischen Bibel der Gottesname. Der Gottesname hat vier Buchstaben. Den Namen Gottes auszusprechen, ist im Judentum jedoch tabu. Wo immer die vier Buchstaben des Gottesnamens stehen, wird anstelle des Namens, der da steht, das hebräische Wort: Adonai gelesen.  Martin Luther übersetzt Adonai mit HERR. Es ist im Hinblick auf gerechte Sprache bedeutsam, dass wir uns klarmachen, ursprünglich steht, wo wir heute das Wort HERR lesen, nicht das Wort: Herr, wie wir es aus unserem Sprachgebrauch kennen, sondern der Gottesname, der nicht ausgesprochen wird. Das Nichtaussprechen des Namens Gottes ist das Bekenntnis, dass Gottes Name für uns Menschen unverfügbar ist.

 

Hans Reiner Haberstock, Pfr.

Zwei Lieder zum Trinitatisfest

1. Gelobet sei der HERR, mein Gott, mein Licht, mein Leben,

mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seel gegeben,

mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an,

der alle Augenblick viel Guts an mir getan.

 

2. Gelobet sei der HERR, mein Gott, mein Heil, mein Leben,

des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben,

der mich erlöset hat mit seinem teuren Blut,

der mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut.

 

3. Gelobet sei der HERR, mein Gott, mein Trost, mein Leben,

des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben,

der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft,

der mir in aller Not Rat, Trost und Hilfe schafft.

4. Gelobet sei der HERR, mein Gott, der ewig lebet,

den alles lobet, was in allen Lüften schwebet;

gelobet sei der HERR, des Name heilig heißt,

Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werte Geist.

 

5. Dem wir das Heilig jetzt mit Freuden lassen klingen

und mit der Engelschar das Heilig, Heilig singen,

den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit:

Gelobet sei mein Gott in alle Ewigkeit!

Johann Olearius 1665

Evangelisches Gesangbuch  Nr. 139

 

 

1. Brunn alles Heils dich ehren wir

und öffnen unsern Mund vor dir;

aus deiner Gottheit Heiligtum

dein hoher Segen auf uns komm.

 

2. Der HERR, der Schöpfer, bei uns bleib,

er segne uns nach Seel und Leib,

und uns behüte seine Macht

vor allem Übel Tag und Nacht.

 

3. Der HERR, der Heiland, unser Licht,

uns leuchten lass sein Angesicht,

dass wir ihn schaun und glauben frei,

dass er uns ewig gnädig sei.

 

4. Der HERR, der Tröster, ob uns schweb,

sein Antlitz über uns erheb,

dass uns sein Bild wird eingedrückt,

und geb uns Frieden unverrückt.

 

5. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist,

o Segensbrunn, der ewig fleußt:

durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl,

mach uns deins Lobs und Segens voll!

Gerhard Tersteegen 1745

Evangelisches Gesangbuch  Nr. 140

Gedanken zum Trinitatisfest

           am 7. Juni 2020

 

 

„Gelobet sei der HERR,

mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der mir hat,

mein Leib und Seel gegeben,

mein Vater, der mich schützt,

von Mutterleibe an,

der alle Augenblick viel Guts an mir getan“

 

(Text: Johann Olearius, 1665;

Evangelisches Gesangbuch 139, Strophe 1).

 

Dieses feierliche und (hoffnungs)frohe Lied erklingt in der Lutherkirche traditionell an Trinitatis. Trinitatis, das bedeutet „Dreifaltigkeit“ und zugleich „Dreieinigkeit“. Und um die „Dreifaltigkeit“ Gottes geht es in dem Lied, denn in der ersten Strophe wird Gott als „Vater“, im der zweiten und dritten Liedstrophe dann als „Sohn“ und „Heiliger Geist“ besungen. Trinitatis, Dreifaltigkeit: An diesem Sonntag feiern wir, dass Gott uns Menschen auf verschiedene Weise nahekommt und begleitet: Als Gott oder auch als Schöpfer, der alles geschaffen hat und „ist von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Als Sohn und Mensch, der uns gegenübertritt und unser Leben in der Auferstehung münden lässt. Und als Geistkraft, die uns bewegt und für den Glauben entzündet, uns mit Menschen auf der ganzen Welt im Glauben verbindet- und mit Gott. Trinitatis, Dreifaltigkeit: Gott kommt uns nahe … und bleibt zugleich uns auch entzogen, bleibt ein Geheimnis. Denn dass Gott „dreieinig“ ist, das ist schwer zu verstehen und geheimnisvoll. Wie Gott ist, das ist letztlich mit unserem Denken und mit unserer Sprache nie ganz „einzufangen“.  Gott ist auch immer ganz anders, „höher als all unsere Vernunft“.

 

An Trinitatis feiern wir in der Lutherkirche „normaler Weise“ die Konfirmation (auch das ist in diesem Jahr anders: „durch Corona“ wird die Konfirmation auf einen späteren Zeitpunkt verschoben). Für mich ist die Konfirmation einer der schönsten und feierlichsten Gottesdienste im Jahr! Ein Jahr lang im Konfirmandenunterricht, gemeinsam mit Pfarrer Reiner Haberstock, junge Menschen begleiten zu dürfen. Mitzuerleben, wie sie wachsen und reifen, auch im Glauben. Und ihnen dann einzeln den Segen Gottes zuzusprechen… Vielleicht gehen Ihre Gedanken jetzt zurück zu Ihrer eigenen Konfirmation (oder auch zu Ihrer Kommunion und Firmung): Wie waren Sie damals als junger Mensch? Was war Ihnen wichtig im Glauben?

Ich finde es dabei sehr schön, dass zu „normalen Zeiten“, die Konfirmation an Trinitatis, dem Sonntag der Dreifaltigkeit stattfindet. Denn im Konfirmandenunterricht versuchen wir gemeinsam mit den Jugendlichen uns auf vielfältige Weise anzunähern, dass Gott unser Leben ermöglicht, es begleitet und erfüllt und uns die Ewigkeit schenkt als „Vater und Sohn und Heiliger Geist“.  Immer wieder gibt es dabei Momente, in denen wir erfahren, wie wichtig es ist, dass wir im Glauben an den dreieinigen Gott verbunden sind mit Christen und Christinnen auf der ganzen Welt… Und dass wir im Glauben, „auf den Schultern der Menschen stehen“, die vor uns an Gott glauben. Zugleich geht es im Konfirmandenunterricht – und in der Konfirmation- auch darum, den Glauben an Gott, der uns nahekommt und zugleich geheimnisvoll bleibt, mit eigenem Leben zu füllen. Nach eigenen Worten zu suchen – auch voller Fragen und Zweifel- um Gott anzusprechen und von Gott zu sprechen. Den eigenen Erfahrungen Raum zu geben, wie Gott unser Leben berührt.

Vielleicht werden auch dabei Erinnerungen in Ihnen selbst wach? Wie Sie als junger Mensch an Gott glaubten und wie sich Ihr Glauben in Ihrem weiteren Leben verändert hat? Das ist das Wunderbare am Glauben – er entwickelt und reift mit den Erfahrungen unseres Lebens, so wie Jahresringe um einen Baum. Gott zuweilen dabei als ganz nah und in manchen Momenten als fern und fremd zu empfinden, ist dabei kein „persönliches Glaubensversagen“. Sondern es stellt uns in den Erfahrungsraum mit den Menschen in der Bibel und Menschen auf der ganzen Welt, die an Gott glauben- und dabei erleben, wie Gott sich offenbart und dann wieder fremd und geheimnisvoll bleibt.

 

Gott „nah und fern zugleich“. Der dreieinige Gott zuweilen geheimnisvoll und dann wieder ganz nah und behütend.

 

Das drückt auch das Lied von Johann Olearius aus. In der dritten Strophe wird beschrieben, wie Gott als Heiliger Geist immer wieder unser Herz „erquickt“ und uns tröstet. Und die Nähe des dreieinigen Gottes, besonders durch die Lebendigkeit der Geistkraft zu erfahren, das wünsche ich Ihnen zu Trinitatis:

 

„Gelobet sei der HERR, mein Gott, mein Trost, mein Leben,

des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben,

der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft,

der mir in aller Not Rat, Trost und Hilfe schafft.“

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

 

Pfingsten

 

 

 

Zieh ein zu deinen Toren,

sei meines Herzens Gast,

der du, da ich verloren,

mich neugeboren hast,

o hochgeliebter Geist

des Vaters und des Sohnes,

mit beiden gleichen Thrones,

mit beiden gleich gepreist.

 

 

 

5. Du bist ein Geist, der lehret,

wie man recht beten soll;

dein Beten wird erhöret,

dein Singen klinget wohl.

Es steigt zum Himmel an,

es lässt nicht ab und dringet,

bis der die Hilfe bringet,

der allen helfen kann.

 

6. Du bist ein Geist der Freuden,

von Trauern hältst du nicht,

erleuchtest uns im Leiden

mit deines Trostes Licht.

Ach ja, wie manches Mal

hast du mit süßen Worten

mir aufgetan die Pforten

zum güldnen Freudensaal.

 

Text: Paul Gerhardt 1653

Melodie: Johann Crüger 1653

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der Pfingstrose - und mit dem Lied von Paul Gerhardt- wünschen wir Ihnen von Herzen ein schönes Pfingstfest.

Pfingstfreude!  Der Heilige Geist säuselt und weht, überwindet Mauern und Grenzen und verbindet Menschen auf der ganzen Welt und durch die Zeiten hindurch im Glauben. Was für ein wunderschönes Fest! Gerade jetzt in Zeiten von Corona, in der viele Türen und Grenzen geschlossen bleiben müssen.

 

Wie war es damals in Jerusalem? In der Apostelgeschichte heißt es:  Die Jünger und die Freundinnen Jesu (die Frauen werden ausdrücklich erwähnt) haben sich nach der Himmelfahrt Jesu Christi in das obere Stockwerk eines Hauses zurückgezogen. Für sie hat eine neue Zeit begonnen, denn Jesus Christus ist nun nicht mehr sichtbar unter ihnen. Auf diese „neue Phase“ bereiten sie sich nun vor, indem sie gemeinsam beten und sich von anderen Menschen zurückziehen. Ja, man kann sagen – sie sind miteinander in Quarantäne…

 

Während nun also die Jünger und Freundinnen Jesu in der Abgeschiedenheit zusammen sind, wird draußen auf den Straßen und im Tempel gefeiert. Und wie! Denn es ist Schavuot,  Wochenfest – das auch jetzt gerade in jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt und natürlich auch hier in Frankfurt gefeiert wird.

 

 Damals in Jerusalem ist die ganze Stadt  auf den Beinen und weit darüber hinaus. Denn aus der ganzen Welt, aus allen Ländern sind Frauen, Männer und Kinder nach Jerusalem gepilgert. Alle Sprachen, alle Hautfarben sind hier vertreten. Die Straßen und auch der Tempel sind geschmückt mit Getreideähren, denn Schavuot ist auch ein Erntefest- jetzt im Frühjahr ist die erste Weizenernte, in Israel, diesem fruchtbaren Land. Die Kinder tragen Blumenkränze in den Haaren. Überall ist Lachen zu hören und Singen. Das Wochenfest damals in Jerusalem … Bis heute ist Schavuot ein sehr fröhliches Fest und zugleich ein tief Theologisches: Denn an Schavuot feiern die Juden und Jüdinnen, dass Gott Mose und damit dem gesamten Volk Israel auf dem Sinai die Zehn Gebote gegeben hat.. Und in den Jubel, die Freude, über die zehn Gebote, ja das ganze Wort Gottes- die Bibel- können wir als Christen und Christinnen mit einstimmen.

 

Damals in Jerusalem… Plötzlich ein Säuseln und Brausen, welches das ganze Haus erfüllt, in dem die Jünger und Freundinnen Jesu zusammensitzen. Und sie beginnen zu reden- ihre Stimmen dringen nach draußen auf die Straßen. Dort hören die Menschen aus aller Welt sie- aber sie verstehen sie alle in ihrer eigenen Muttersprache! Ein Sprach- und Verständniswunder! Dass auch wir alle uns hier in der bunten Stadt Frankfurt lebhaft vorstellen können. Wie schön wäre es, wenn wir alle, die wir hier in Frankfurt zusammenleben, einander hören könnten in der je eigenen Muttersprache: in Deutsch und Englisch, in Russisch und Spanisch, auf Polnisch und Hebräisch, in Türkisch und Kroatisch…Damals in Jerusalem haben die Menschen einander verstanden durch den Heiligen Geist. Der Geist hat geweht und ihnen die Nähe Gottes erschlossen durch die Auferstehung Jesu Christi.

 

Zugleich verbindet die Geistkraft uns zutiefst mit den Juden und Jüdinnen. Denn darauf, dass Gottes Geist weht und die Welt vollständig verändert und erlöst warten auch wir Christen und Christinnen, auch und gerade an diesem Pfingsten zu Corona-Zeiten.

 

Schon „hier und jetzt“ aber dürfen wir in gesegneten Momenten immer wieder erfahren: Der Heilige Geist weht und überwindet Mauern… So sind wir auch mit den Gemeindegliedern zutiefst im Geist verbunden, die an Pfingsten nicht in die Kirche kommen können, weil sie krank sind oder auf ihrer Gesundheit besonders aufpassen müssen…. Der Geist weht über Grenzen hinweg  und verbindet  Menschen auf der ganzen Welt mit einander und mit Gott. Dabei lässt sich die Geistkraft nicht aufhalten von geschlossenen Türen und Grenzen, sondern überwindet all dies. Pfingstfreude!

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Pfingtfest.

Herzlich

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

 

Psalm 118

 

Dies ist der Tag, den der HERR macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!

Wir segnen euch vom Haus des HERRN. Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich. Amen

Psalm 27 von David.

Der HERR ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Wenn die Übeltäter an mich wollen, mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, müssen sie selber straucheln und fallen.

Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert,

so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht;

wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.

 Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde,

die um mich sind; so will ich opfern in seinem Zelt mit Jubel,

ich will singen und Lob sagen dem HERRN.

 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und

tu die Hand nicht von mir ab, Gott mein Heil!

 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der HERR nimmt mich auf.

HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn.

Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN

 im Lande der Lebendigen. Harre des HERRN!

Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

 

Ein Blick in den Himmel..

lässt uns zuweilen auch an die Ewigkeit denken…

 

Andacht zu Exaudi

(6. Sonntag nach Ostern, 24. Mai 2020)

 

 

 

 

Liebe Leserin und lieber Leser,

 

bestimmt ist das auch für Sie eine nahezu alltägliche Erfahrung: Sie öffnen ein Fenster – und gleichkommt „ein Lüftchen“, ein Windzug hinein. Und manchmal bringt der Windhauch etwas Neues mit sich: Alles riecht frisch und neu nach dem ersehnten Frühlingsregen.

Oder Wärme weht hinein und wir spüren – jetzt ist der Sommer da!

 

Der Wind weht … und etwas verändert sich. Das ist im übertragenen Sinn auch ein gutes Bild für den Heiligen Geist. Vom Kirchenjahr her wird der Heilige Geist über Himmelfahrt und den Sonntag Exaudi hin zu Pfingsten immer wichtiger und „brausender“.

 

„Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen, eine Handbreit rechts und links. Du bist mitten drinnen“ (Evangelisches Gesangbuch 622). In diesem Lied von Wilhelm Willms wird in scheinbar einfachen Worten zum Ausdruck gebracht – manchmal sind wir schon mitten im Himmelreich.

 

 An Himmelfahrt müssen sich die Jünger verabschieden und verarbeiten, dass Jesus Christus nicht mehr sichtbar unter ihnen ist. Denn er wird aufgenommen in den Himmel. Und doch bleibt Jesus Christus weiterhin nah. Ja, mehr noch die Jünger und wir alle, die wir glauben, werden in gesegneten Momenten schon hineingenommen in den Himmel. Das Himmelreich weht schon zu uns ins „Hier und Jetzt“ hinein. Dass das Himmelreich aber schon mitten unter erfahrbar wird, dass wir von Gottes Ewigkeit berührt und begeistert werden… all das bewirkt der Heilige Geist.

 

Der Heilige Geist – Jesus Christus nennt ihn auch einen „Tröster“, einen „Beistand“, den wir auf Erden haben… Und einen „Tröster“  und „Beistand“ haben wir gerade in den letzten Wochen, die durch die Sicherheitsmaßnahmen „wegen Corona“ und  zuweilen auch durch Einsamkeit geprägt waren, nötig gehabt! Dieser „Tröster“ lehrt auch das Beten- damit wir schon jetzt und hier das Himmelreich, die Ewigkeit Gottes erfahren. So heißt es im Römerbrief (8,26): „Der Geist tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen“. Dass der Heilige Geist für uns eintritt, wenn  wir beten – und das heißt, mit Menschen auf der ganzen Welt, all jenen, die sich jetzt „vor Corona“ (und vielem anderen Schrecken wie Naturkatastrophen und Krieg fürchten)- und mit uns allen und der gesamten Schöpfung seufzt… Dass der Heilige Geist, dann wenn Gott die Welt heilsam verwandelt, mit uns Menschen und der ganzen Schöpfung auch jubeln wird…. Das finde ich wirklich tröstlich!

 

Der Wind weht und etwas verändert sich… Auch unser Leben verändert sich, so sind unter Vorsichtsmaßnahmen wieder Besuche möglich. Und in der Luthergemeinde feiern wir an Exaudi „schon“ den dritten Gottesdienst. Das ist wirklich ein Grund schon für Pfingstfreude!

 

Und dennoch bleibt unser Alltag „durch Corona“ verändert und reduziert, wir müssen weiterhin sehr vorsichtig sein und sind vielleicht manchmal ängstlich und verzagt. Wir merken das auch an unseren Gottesdiensten, die berührend, aber eben durch die Vorsichtsmaßnahmen aufgrund Corona verändert sind. Immer gehen unsere Gedanken in den Gottesdiensten hin zu Gemeindegliedern, die nicht da sein können, weil sie auf ihre Gesundheit achten müssen. Im Geist aber sind wir- auch wenn wir räumlich getrennt sind- alle zusammen!

 

In all dem „Zagen und Hoffen“ ist es gut, wenn der Heilige Geist, der Tröster uns das Beten lehrt- und das Himmelreich uns ganz nahe kommt. Die Geistkraft lehrt uns das Beten, gemeinsam auch mit den Juden und Jüdinnen: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“ (Psalm 27,1)

 

Einen gesegneten Sonntag Exaudi!

 

Und bleiben Sie gut behütet,

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

Gedanken zu Rogate 

(5. Sonntag nach Ostern, 17. Mai 2020)

 

„Rogate“, übersetzt „betet“, so heißt dieser 5. Sonntag nach Ostern. Vielleicht hat auch für Sie das Beten in der letzten Zeit noch einmal eine neue Bedeutung bekommen?

Denn in den vergangenen Wochen waren wir alle sehr auf uns selbst geworfen, viel allein in den eigenen vier Wänden, die Türen blieben oft verschlossen.  Zwar gibt es jetzt in vielen Bereichen Lockerungen… Für uns als Gemeinde ist dabei besonders bewegend - unter Wahrung von Sicherheitsvorschriften - auch wieder gemeinsam Gottesdienst zu feiern. 

 Dennoch wird es uns auch zukünftig in nahezu allen Lebensbereichen begleiten, dass wir Abstand voneinander halten und niemanden zu nahe kommen dürfen.  In dieser Zeit, die so von „räumlicher Distanz“ geprägt ist, wird besonders deutlich: Das Beten verbindet uns geistlich miteinander – über alle räumliche Trennung hinweg. So werden wir am Sonntag im Gottesdienst besonders auch für diejenigen beten, die nicht in der Kirche sein können, weil sie gesundheitlich gefährdet oder krank sind – im Gebet aber ist diese örtliche Trennung überwunden und wir sind als eine Gemeinde einander nahe.

 

Darüber hinaus verbindet uns das Beten mit Menschen auf der ganzen Welt – und auch das spüren wir in diesen Wochen vielleicht besonders sensibel: Wie innig, wie verzweifelt und traurig, zugleich mit wie viel Hoffnung und Zuversicht Menschen auf der ganzen Welt zu Gott beten, nicht nur, aber eben auch wegen der Corona-Epidemie. Und natürlich verbindet das Beten zutiefst mit Gott!

 

Vielleicht empfinden Sie diese geistliche Verbundenheit gerade auch besonders, wenn Sie die Glocken der Lutherkirche (und anderer Kirchen in Ihrer Nähe) hören? Auch zu „normalen Zeiten“ läuten die Glocken der Lutherkirche – wie vieler anderer Kirchen- um 12.00 Uhr mittags und um 18.00 Uhr abends. Nun in diesen Wochen, die so stark durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Epidemie geprägt waren und auch noch sind, hat der Kirchenvorstand beschlossen der Luthergemeinde beschlossen, dass die Glocken auch um 9.00 Uhr morgens läuten. Das hat einen tiefen Grund: Die Zeiten, in denen die Glocken geläutet werden, sind Gebetszeiten – wir können innehalten und gleichsam gemeinsam beten, auch und gerade dann, wenn wir nicht persönlich zusammen sein können. Und gerade jetzt tut es gut, morgens, mittags und abends im Gebet die Herausforderungen und Sorgen des Tages loszulassen und in Gottes Hände zu legen.  Immer wieder hören wir von Menschen, wie viel ihnen das Glockenläuten bedeutet

 

Was aber geschieht im Gebet? Es ist ja nicht so, dass sich alle Bitten an Gott erfüllen. Und das trifft auch auf wirklich wichtige Bitten zu…. Das Beten um Gesundheit und Wohlergehen von geliebten Menschen und uns selbst; die Bitte von Schicksalsschlägen und Gewalt verschont zu bleiben und nicht zuletzt um Frieden auf der Welt…. Das alles erfüllt sich zuweilen nicht so, wie wir es erbitten. Der Riss, die Verwundbarkeit des Lebens in der Welt, die wir vielleicht in diesen von Corona geprägten Wochen besonders spüren, sie bleibt auch im Gebet bestehen.

 

Was also geschieht im Gebet? Das lässt sich in Worten nur unzureichend erklären.  Vielleicht am ehesten mit einem Bild?  Im Gebet öffnet sich eine Tür (und was gibt es Schöneres in dieser „isolierten Zeit“ als dass sich eine Tür öffnet?!). Eine Tür – hin zu Gott. Und indem sich diese Tür öffnet, sind wir im Moment des Betens schon herausgenommen aus dieser verletzlichen und verwundeten Welt und sind schon in der Ewigkeit. Vor allem aber dürfen wir im Beten schon jetzt erfahren, was am „jüngsten Tag“ alle Menschen und die gesamte Schöpfung heilsam erfahren werden: Dass Gott die Welt verwandeln wird  in Frieden und Gerechtigkeit

Darum - um diese heilsame Erlösung der Welt - bitten wir mit dem wichtigsten christlichen Gebet, dem Vaterunser (das übrigens tief im jüdischen Kaddischgebet wurzelt)  

 

„Dein Reich komme…“

 

So beten wir am Sonntag im Gottesdienst, mit allen, die da sind und allen, die nicht da sein können und die uns doch im Gebet nahe sind. So können wir beim Glockenläuten (und natürlich auch zu jeder anderen Zeit!) beten. Und so beten wir voller Zuversicht:

 

„Denn dein ist das Reich und die Kraft und

die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen!“

Psalm 98

Psalm zum Sonntag

Cantate

 

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

 

Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

 

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

 

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

 

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN,

dem König!

 

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

 

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

Gedanken zu Cantate

 

4. Sonntag nach Ostern,

10. Mai 2020

 

„Du meine Seele singe…“ Dieses Lied von Paul Gerhardt ist das Wochenlied zu „Kantate“, dem vierten Sonntag nach Ostern am 10. Mai 2020. „Cantate“- das heißt übersetzt: „Singet!“ Und vielleicht werden bei Ihnen gleich Erinnerungen wach? An eigenes Singen… In früher Kindheit schon, noch etwas schief, dafür aber begeistert und aus voller Kehle? Vielleicht singen Sie ja auch jetzt in einem Chor- vielleicht sogar der Lutherkantorei - oder spielen ein Instrument?

„Du meine Seele singe…“  Aber – genau das ist doch in dieser durch die Corona-Epidemie geprägten Zeit nicht möglich?!  Auch wenn wir jetzt ab Sonntag 10. Mai, ab Cantate also, in der Lutherkirche wieder Gottesdienste feiern, worüber wir uns von Herzen freuen. So gehört doch zu den Vorsichtsmaßnahmen, die wir bei den Gottesdiensten beachten müssen, dass vor allem das gemeinsame Singen als Gemeinde in der kommenden Zeit nicht erlaubt sein wird. Kantate also ohne Gemeindegesang…. Kirchenmusikerin Elke Katscher-Reulein und Pfarrer Reiner Haberstock werden den Gottesdienst musikalisch gestalten und solistisch singen.   Das wird sicher sehr schön und berührend. Und doch werden wir wohl besonders in diesem Gottesdienst an Cantate auch spüren, was wir vermissen… Vielleicht ist das aber auch ganz „stimmig“ so? Denn wenn wir in dieser von Corona überschatteten Zeit Gottesdienst feiern, dann sind die Gottesdienste anders als „ohne Corona“ – und doch sind es ganz und gar Gottesdienste! Beim Feiern der Gottesdienste sollten wir auch immer jene besonders im Blick haben, die nicht dabei sein können: Etwa auch weil sie einer Risikogruppe angehören oder krank sind. Ihre Abwesenheit zu spüren; an die Menschen, die nicht kommen können zu denken, für sie zu beten, und „in der Seele für sie mitzusingen“, das wird nun in den Gottesdiensten wichtig sein.

„Wohlauf und singe schön…“  Wenn wir doch nicht selbst gemeinsam singen können im Gottesdienst, dann gibt es doch Gründe, in der Seele mitzusingen und Gott zu loben. Das wird durch das Wochenlied deutlich – und durch die Beschäftigung mit der Biografie Paul Gerhardts: Der Pfarrer und Lieddichter Paul Gerhardt (1607-1673) erlebte den Dreißigjährigen Krieg mit. Schon als Junge verlor er erst den Vater und dann die Mutter. Beruflich durchlebte Paul Gerhardt große Erfolge – und Niederlagen. Mit seiner Frau Anna Maria, geborene Berthold, hatte Paul Gerhardt fünf Kinder, von denen vier früh verstarben, nur ein Sohn überlebte die Eltern. Diese Erfahrungen spiegeln sich in den Liedern von Paul Gerhardt wider. Wie alle Lieder Paul Gerhardts enthält das Lied „Du meine Seele singe“ gewissermaßen auch „dunkle Töne“.  In dem Lied klingt an, dass es der Erfahrung von Krieg, Gewalt und Krankheiten, von Schicksalsschlägen, Tod und zuweilen großem Glück abgerungen ist…  Durch all das trägt den Lieddichter Paul Gerhardt der Glaube, dass Gott nahe ist in den schweren wie in den wunderschönen Zeiten des Lebens.

 

Den Erfahrungen von Krieg und Gewalt abgerungen? Vielleicht denken Sie dabei auch an den Krieg, den die älteren Gemeindeglieder noch miterlebt haben?  Denn am Freitag, den 08. Mai 2020, ist ein Gedenk- und Feiertag, der ebenfalls durch die Einschränkungen durch die Corona-Epidemie still ins Land gehen wird:  Am 08. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal! Vielleicht haben Sie selbst noch Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit? Oder Sie haben von Ihren Eltern- oder Großeltern- erzählt bekommen, wie sehr der Krieg das Leben bestimmt hat?  Gerade die Älteren unter uns wissen nur zu gut, dass eigentlich jeder Tag, den wir im Frieden verleben, Grund ist aus ganzer Seele zu singen (nun schon seit 75 Jahren!). Nicht vergessen dürfen wir dabei, dass gleichsam im Schatten der Corona-Epidemie die Kriege auf der Welt weitergehen. Wie sehr würden etwa die Menschen in Syrien und im Jemen aus ganzer Seele singen, wenn endlich Frieden wäre!

 

„Du meine Seele singe…“ Wie alle Lieder Paul Gerhardt erzählt auch dieses von einem gewachsenen und gereiften Glauben: Einem Glauben, der um die Finsternis des Lebens weiß, gerade auch die Finsternis, die wir Menschen durch Krieg und Gewalt auf die Welt bringen.. Ein Glauben, der umso mehr auf Gott und die Auferstehung Jesu Christi vertraut. Zudem öffnet ein solcher Glauben den Blick für all das Schöne, was uns schon geschenkt ist. In unserem Fall auch die segensvolle Erfahrung des Friedens.

Auch wenn wir gerade nicht als Gemeinde gemeinsam singen können. So eröffnet sich doch vielleicht besonders durch die Musik im Gottesdienst oder durch die Andacht zu Hause, wieviel Grund es gibt Gott zu danken und „in der Seele zu singen“.

Mit den Worten Paul Gerhardts:

„Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm

der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.

Jedoch, weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt

ists billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.“

(Evangelisches Gesangbuch 302)

 

Bleiben Sie gut behütet,

 

Pfarrerin Melanie Lohwasser

„Ostern ist immer noch“

 

Gedanken zu Jubilate

3. Sonntag nach Ostern,

3. Mai 2020

 

„Ostern ist immer noch“, hat meine neunjährige Tochter Sarah auf eine Karte geschrieben, die sie im „Kindergottesdienst“ gebastelt hat – bei uns zu Hause auf dem Sofa, wo wir in diesen durch die Corona-Epidemie eingeschränkten Wochen Kindergottesdienst feiern. „Ostern ist immer noch.“ Das stimmt in einem tiefen Sinne: Denn vom Glauben her ist die Auferstehung Jesu Christi ein Ereignis, das auch heute und jetzt unser Leben berührt, prägt und verändert. Dabei sind gerade jetzt die Wochen nach Ostern – auch und gerade mit dem eigenartigen Ostern in diesem Jahr 2020 – österliche Freudenzeit. Das zeigt sich auch an diesem dritten Sonntag nach Ostern am 03. Mai 2020.  „Jubilate“, heißt der Sonntag, übersetzt „jubelt“.

 

So beginnt auch der Wochenpsalm voller Jubel und Freude: „Jauchzt Gott, alle Lande! Lobsingt zur Ehre seines Namens, rühmet ihn herrlich! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! (Psalm 66, 1-3a). „Aber…“, so möchten Sie vielleicht einwenden. Und tatsächlich: Gab es denn in den vergangenen Wochen, die belastet waren durch Einschränkungen und Sorgen aufgrund der Corona-Epidemie, viel Grund zu jubeln? Das Leben von vielen von uns war und ist belastet durch wirtschaftliche Sorgen, durch die Gedanken um die Kinder, die nicht in den Kindergarten und zur Schule gehen können, durch die Traurigkeit darüber Verwandte sowie Freunde und Freundinnen nicht treffen zu dürfen Sorgen vor allem auch um die eigene Gesundheit und die anderer Menschen.

Zudem haben viele Menschen auch hier in der Luthergemeinde intensiv erfahren, wie wichtig und unersetzbar uns das gemeinsame Feiern der Gottesdienste ist. So freuen wir uns von Herzen darauf, dass bald wieder Gottesdienste möglich sein werden. Aber auch diese werden mit viel Umsicht und Bedacht geplant werden müssen. Selbstverständlich informieren wir Sie über die Gottesdienste hier auf unserer Website und über die Aushänge im Gemeindebüro! Auch für die Gottesdienste und das geistliche Zusammensein gilt, dass wir „das Leben leise wieder lernen müssen“ um mit einem Gedicht von Nelly Sachs zu sprechen.

 

 All das, was ich gerade schreibe, klingt nach Jubel, der auch noch mit Traurigkeit durchsetzt ist, oder? Das trifft sich aber mit dem Jubel in den Psalmen: Denn ein Blick in die Psalmen, diese wunderbaren Gebete- eigentlich Lieder- der Bibel zeigt, dass der Jubel darin niemals oberflächlich und leichtfertig ist. Vielmehr ist der Jubel in den Psalmen stets „abgetrotzt“: Den Gefahren nämlich, denen das menschliche Leben unterliegt etwa an Krieg, Gewalt und Seuchen (!). Trotz und gerade in alledem wird von Menschen die Erfahrung gemacht, von Gott hindurch getragen zu werden, das besingen die Psalmen. Und das ist vielleicht doch ein Grund gemeinsam mit der Schöpfung- mit allem, was Atem hat- einzustimmen in den Jubel zu Ehren Gottes? Gemeinsam mit der Schöpfung, die – genau wie wir Menschen – verletzlich ist und doch so wunderschön?

 

Vom christlichen Glauben, gleichsam von Ostern her, erscheint das Leben noch in einem neuen Licht. Davon erzählt auch der Wochenspruch aus dem 2. Korintherbrief: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Korinther 5,17). Das Leben ist durch die Auferstehung von Jesus Christus schon verwandelt. Das bedeutet längst nicht, dass „schon alles gut ist“. Das wird in dieser Zeit der Corona-Pandemie sehr deutlich. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch über Corona hinaus das Leben so vieler Menschen auf der Welt stets verwundet ist durch Krieg und Gewalt und dass auch zu jeder Zeit Krankheit und Schicksalsschläge das persönliche Leben verletzen können.

 Auch ist der Glaube auf ein durch die Auferstehung Jesu Christi neues und verwandeltes Leben keine Vertröstung auf das Jenseits! So wie das Licht des neuen Tages das Dunkel der Nacht verdrängt. So dürfen wir „von Ostern her“ in gesegneten Momenten schon erfahren, wie das von Gott verwandelte und „geheilte“ Leben hier und jetzt unter uns aufleuchtet. Und dadurch kann Glaube an die Auferstehung unser Leben hier und jetzt mit Mut und Trost, mit Widerstandskraft – und mit Jubel erfüllen.

 

„Ostern ist immer noch“. Auch wenn uns in den nächsten Wochen noch viele Sorgen und Ängste um die Corona-Epidemie begleiten werden so dürfen wir vielleicht gerade jetzt erfahren, wie die Auferstehung Jesu Christi unser Leben berührt, prägt und verändert.  Und das möglichst bald wieder auch gemeinsam mit Ihnen im Gottesdienst zu feiern, darauf freuen Pfarrer Reiner Haberstock und ich uns von Herzen.

 

Bleiben Sie gut behütet,

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

Verse aus

Psalm 66,

Psalm zum Sonntag Jubilate (Jauchzet!)

 

Ein Psalmlied, vorzusingen.

 

 

Jauchzet Gott, alle Lande!

Lobsinget zur Ehre seines Namens;

rühmt ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie gingen zu Fuß durch den Strom;

dort wollen wir uns seiner freuen.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben

im Hause des HERRN immerdar.

 

Gedanken zu

Misericordias Domini 

2. Sonntag nach Ostern,

26. April 2020

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ein Lamm, jetzt in diesen Frühlingstagen geboren,

läuft über eine grüne Wiese. Unvermittelt bleibt das Tier stehen und springt in die Höhe… Die pure Lebensfreude! Und hat das Lamm nicht allen Grund, so unbesorgt zu sein? Schließlich ist es gut behütet… Von seiner Mutter, aber auch von einem Hirten, der aufpasst, dass es jedem Tier in seiner Herde gut geht, und sei das Tier noch so klein und zart.

 

Eine Schafherde mit Lämmern und einem Hirten… Das scheint uns  vielleicht im Moment weit weg von unserem täglichen Leben… Weil wir  mitten in der Stadt wohnen… Aber auch weil es  uns in diesen von der Corona-Epidemie geprägten Wochen an manchem Tag kaum möglich ist, die eigene Wohnung zu verlassen und wir uns geradezu nach einer gründen Weide sehnen? Bestimmt haben wir alle  dennoch in unserem Leben schon oft Schafe mit ihren Lämmern auf einer Weide gesehen, behütet von einem Hirten.

 

In der Bibel wird von Gott immer wieder als gutem Hirten gesprochen. Ein guter Hirte, der sich  um die gesamte Herde und um jedes einzelne Schaf sorgt, also um alle Menschen und zugleich um jeden und jede von uns ganz persönlich. Im Neuen Testament wird Jesus Christus, Gottes Sohn, mit dem guten Hirten identifiziert. So heißt es im Wochenspruch aus dem Johannesevangelium „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben“ (Joh 10, 11, 27-28).

Die Schafe, die Jesus Christus hier beschreibt, sind alles andere als dumm! Denn sie sind aktiv, hören die Stimme und folgen Jesus Christus, der wiederum alle kennt, die zu ihm gehören und ihnen das ewige Leben schenkt.

Auf den christlichen Glauben bezogen, bedeutet das: Als Christen und Christinnen hören wir  auf  Jesus Christus, in dem sich uns Gott offenbart. Und Jesus Christus weiß um uns und bewahrt uns, in diesem Leben und über den Tod hinaus.

 

Gott ist wie ein guter Hirte… Dieses Vertrauen verbindet uns zutiefst auch mit den Juden und Jüdinnen. Denn auch in der Hebräischen Bibel, unserem Alten Testament, wird Gott immer wieder als guter Hirte beschrieben. So heißt es im Psalm 23, ein Gebet, das Sie vielleicht schon als Kind auswendig lernten und das der Wochenpsalm für diese Woche ist: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir…“ 

 

Wie hören wir dieses Gebet, in dieser durch „Corona“ geprägten Zeit?!  Einer Zeit, in der durchaus viele versuchen, gute Hirten und Hirtinnen zu sein? Politiker und Politikerinnen, aber auch  Ärzte und Ärztinnen, Pflegerinnen und Pfleger – und so  viele andere!-  letztlich jeder und jede von uns… Versuchen wir nicht, uns möglichst so zu verhalten, dass alle, „die ganze Herde“, und jeder und jede Einzelne gut geschützt sind? Es ist dabei mit an uns, besonders auf jene unter uns zu achten,  die zart und verletzlich sind.

So viel wir Menschen aber auch vermögen, wir merken in diesen Wochen auch neu, wie fehlbar wir sind: Entscheidungen, die gestern noch galten, sind heute schon überholt.  Wir Menschen können also immer nur begrenzt gute Hirten und Hirtinnen sein, so sehr wir uns auch bemühen.

 

 Und Gott?! Gerade jetzt in diesen Wochen erfahre ich neu, dass es im Glauben keine einfachen Antworten gibt: Auch wenn wir glauben, bedeutet das nicht, dass wir vor Krankheit und Schicksalsschlägen geschützt sind. Wohl aber können wir aus unserem Glauben die Zuversicht schöpfen, dass Gott uns begleitet und uns trägt- so  wie es ein guter Hirte tun würde- auch und gerade jetzt durch dieses finstere Tal. Und in diesem „tieferen Sinne“ dürfen wir uns von Gott behütet fühlen. So wie es Gott durch den Propheten Ezechiel verheißt, mit Worten, die uns jetzt in diesen „Corona-Wochen“ vielleicht besonders berühren:   Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR.  Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist (Ezechiel 34. 16).

 

Sich nicht zu  sehr ängstigen zu lassen von den vielen Stimmen, die etwas zur Corona-Epidemie sagen und die sich auch widerspreche, das könnte wichtig  sein jetzt in dieser Zeit Von Ostern her ist uns aufgetragen auf die Stimme von Jesus Christus zu hören. Jesus Christus, der gute Hirte, in dem sich uns Gott offenbart und der uns das ewige Leben schenkt. Das ewige Leben, das schon hier und jetzt unter uns aufleuchtet. Auch und gerade jetzt!

„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben“ (Joh 10, 11, 27-28).

 

Melanie Lohwasser, Pfrn.

Psalm 116, 1-9

zu Quasimodogeniti 19. April 2020

 

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des HERRN:

Ach, HERR, errette mich! Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes. Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen. 

Gedanken zu Quasimodogeniti

(Sonntag, 19. April 2020)

 

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wieder-geboren hat zu einer lebendigen

Hoffnung durch die Auferstehung

Jesu Christi von den Toten“

(1. Petrusbrief 1,3)

 

So heißt es im Wochenspruch aus dem ersten Petrusbrief. Für mich bleibt von diesem Satz vor allem hängen: Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Das bedeutet doch: wir sind nicht nur erfüllt von Hoffnung- das wäre ja auch schon viel! Gerade jetzt in den Zeiten der Corona-Pandemie. Aber hier wird ja noch mehr verheißen: Jeder und jede von uns, wir alle gemeinsam, wir sind lebendige Hoffnung – von Ostern her.

Wenn ich ein Bild für die Hoffnung suche, in diesen Wochen, dann fällt mir eine Kerze ein: Ein Glaubenslicht, das leuchtet, vor allem in uns selbst. In manchen Momenten in dieser schweren und belastenden Zeit strahlt das Glaubenslicht ganz hell. In anderen Augenblicken flackert das Licht…  Dann wenn Sorgen unser Herz schwer machen: Wie wird es weitergehen? Bleiben meine Ange-hörigen, meine Freunde und Freundinnen gesund- oder werden wieder gut genesen? Wann kann die Oma ihr Enkelkind wiedersehen? Wie geht es meinem Onkel im Krankenhaus, meiner Großtante im Pflegeheim, die gerade keinen Besuch haben dürfen? Ist meine Arbeitsstelle sicher?

 

Und auch der Blick in die Welt kann das Herz schwer machen und verdunkeln: Wie etwa die Bilder vom blühenden Central Park in New York, in dem jetzt ein großes Feldlazarett aufgebaut ist.

Das Glaubenslicht in uns hell leuchtend oder durch Sorgen und Ängste flackernd: So wankelmütig und verunsichert wir auch sein mögen in dieser Zeit. Von der Bibel her ist uns zugesprochen: Wir sind lebendige Hoffnung. Hoffnungslichter. Mal hell leuchtend, mal flackernd. Doch nicht aus uns selbst kommt das Licht. Sondern von Gott her. Gottes Licht, das uns leuchtet, gerade auch in der Finsternis und sei es Krankheit und Todesangst….

 

 Davon erzählt auf eigene Weise auch die Verheißung des Propheten Jesaja. Und diese Verheißung verbindet uns zutiefst mit den Juden und Jüdinnen. Denn ihnen gilt das Gotteswort durch den Propheten Jesaja zuerst und bleibend. Eine Verheißung, in die Christen und Christinnen hineingenommen werden durch Jesus Christus. So heißt es bei Jesaja im 40. Kapitel, Vers 26 f:

"Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Gott führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt…."

In finstere Zeiten hinein spricht der Prophet Jesaja: Die Babylonier waren in Jerusalem eingefallen und hatten den Tempel niedergebrannt, die Häuser zerstört. Bald werden in den Trümmern auch Krankheiten um sich greifen.

In diese finstere Zeit hinein also spricht der Prophet Jesaja die Verheißung Gottes. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Zu etwas, was bis heute schwerfällt, gerade auch in diesen Wochen der Corona-Krise, ermutigt Gott durch den Propheten: Nämlich den Blick nicht allein auf die Finsternis zu richten. Sondern auf die Schöpfung, die um uns blüht – gerade jetzt so wunderschön- und wie ein Fingerzeig Gottes ist. Ich persönlich erlebe im Moment, wie zutiefst tröstlich gerade ein Spaziergang ist. Von Menschen in Quarantäne weiß ich, dass auch der Blick aus dem Fenster schon gut tut: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? 

Gott, geheimnisvoll und unerforschlich, bleibt doch nahe. Trotz und gerade in der Finsternis. Gerade jetzt!

Und hier wird die Verheißung des Propheten Jesaja ganz persönlich und seelsorgerlich:  Gott gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Ohnmächtigen… (Jesaja 40, 29). Das gilt uns ganz persönlich: Wenn wir müde sind und uns ohnmächtig fühlen in dieser Situation der Corona-Pandemie; eine Situation, von der niemand weiß, wie lange sie noch dauert: Gott erfüllt uns mit Kraft. Und wie!  Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.  (Jesaja 40,31). Vielleicht haben Sie auf einer Wanderung durch die Berge schon mal einen Adler auffahren sehen? Im Bethmannpark oder in der Grünanlage sehen Sie vielleicht eher eine Meise oder eine Amsel die Flügel ausbreiten und losfliegen? Auch das vermittelt schon das Gefühl von Freiheit!  Es wird der Tag kommen, da wird Gott es uns federleicht ums Herz werden lassen. So dass wir mit Kraft erfüllt werden und auffahren mit Flügeln wie ein Vogel.

Bis dahin wird das Hoffnungslicht in uns leuchten. Mal strahlend, mal flackernd. Aber es wird nicht verlöschen. Denn das Licht kommt von Gott. Und wird uns zuteil in der Auferstehung Jesu Christi.

Von Ostern her.

 

Mit österlichen Grüßen,

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

Christ ist erstanden
von der Marter alle.

Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.


Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ´.
Kyrieleis.

Halleluja,
Halleluja,
Halleluja!
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

 

Surrexit Dominus vere!

Halleluja, Halleluja!

Surrexit Christus hodie!

Halleluja, Halleluja!

(Osterkanon aus Taizé)

 

Deutsche Übersetzung:

Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja, Halleluja!

Christus ist heute auferstanden! Halleluja, Halleluja!

 

 

 

Gedanken zu Ostern

 

Christ ist erstanden von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

 

Im ältesten uns bekannten Osterlied wird in sieben Worten die Osterbotschaft hineingerufen in die Welt, in besonderer Weise in diesem Jahr, in dem wegen Corona die christlichen Gemeinden nicht in den Kirchen zusammen kommen und miteinander dort den Ostergottesdienst feiern können.

 

 -Christ ist erstanden von der Marter alle. -

 

Das Lied ruft uns, dem Leid, dem Tod, der Angst, der Verzweiflung diese sieben Worte entgegen zu singen.

 

Jesus Christus hat die Marter erlitten, Angst und Qual bis zuletzt, ist schreiend vor Qual und Schmerz am Kreuz gestorben, aber die Qual und der Tod haben nicht das letzte Wort behalten. Gott, der sprach: "Es werde Licht!" hat ihn, den Gekreuzigten auferweckt von den Toten.

 

Diese unglaubliche Botschaft haben die Frauen vernommen, die am Morgen des dritten Tages nach seiner Kreuzigung zum Grab gekommen waren, um zu tun, was sie am Freitagabend, als er auf die Schnelle ins Felsengrab gelegt werden musste, nicht mehr hatten tun können. Jetzt, als der Sabbat vorüber ist, wollen sie tun, was sie am Freitag nicht hatten tun können, sie wollen den Leichnam des Gekreuzigten salben.

In großer Trauer gehen sie zum Grab. Umfangen vom Dunkel des Todes, hören sie im Dunkel des Felsengrabes die unglaubliche Botschaft aus dem Munde eines jungen Mannes im weißen Gewand, wie der Evangelist Markus es berichtet: "Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.  ..."

 

Was da geschehen ist, was wir da hören, ist das Unglaubliche.

Was wir an Ostern hören, ist Geheimnis aus Engelsmund, die Botschaft dessen, der spricht: " Es werde Licht!", mitten in das Todesdunkel hinein, mitten in diese Welt hinein, mitten in die Qual hinein, in der Menschen leiden und sterben.

 

Im Ostergeheimnis, so glauben es Christinnen und Christen, bekennt sich Gott zu Jesus Christus. In der Auferweckung Jesu Christi von den Toten wird offenbar, in ihm, dem gekreuzigten Auferstandenen, ist Gott an unserer Seite, im Leben, im Leiden, in der Qual und im Sterben.

 

-Christ ist erstanden von der Marter alle. -

 

Die Angst, die Krankheit, Qual und Tod behalten nicht das letzte Wort, er der erstanden ist von der Marter alle, er ist bei uns in der Not, er ist es, zu dem wir rufen: "Kyrie eleis!"  - "Herr erbarme dich!"

 

Darum dürfen wir froh sein, Christ will unser Trost sein!

 

Wir sind gerufen, gerade auch jetzt, wo das Coronavirus die Welt in Atem hält - und so vielen den Atem nimmt - einzustimmen in das Lied der Hoffnung auf ihn, der erstanden ist von der Marter alle, der uns in unserer Marter nicht allein lässt und uns aus dem Tod ins Leben ruft,  der uns hinein nimmt in sein Auferstehen.

 

Heute und morgen und in Ewigkeit!

 

Hans Reiner Haberstock, Pfr.

Gedanken zum Karfreitag,

10. April 2020

 

Tiefschwarz. Selbst die Sonne hat ihren Glanz verloren. Und als die Finsternis am schlimmsten ist, schreit sogar Jesus Christus:  Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?! (Markus-Evangelium 15,33).

Wie Jesus Christus schreien viele Menschen durch die Zeiten hindurch zu Gott. Voller Verzweiflung und Todes-angst: Frauen, Männer und Kinder schreien so, die unter Krieg und Gewalt leiden, auch und gerade jetzt in diesen Wochen. Denn die Konflikte dieser Welt machen durch die Corona-Epidemie keine Pause, sondern sie gehen im Verborgenen umso gewaltsamer weiter. Und natürlich haben Menschen durch die Zeiten hindurch zu Gott geschrien – laut und leise-,  wenn sie selbst oder nahe Menschen krank wurden oder auch wenn sie Sorge  hatten zu erkranken. So wie jetzt in diesen Tagen, da die ganze Welt von der Corona-Pandemie betroffen ist, Menschen nah und fern zu Gott schreien oder zuweilen auch verstummen.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?! Dieser Schrei, den Jesus Christus in der Todesstunde ausstößt, stammt aus einem Gebet der Hebräischen Bibel, dem Psalm 22. In Psalm 22 heißt es weiter: „Gott, sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe“ (Vers 12). In tiefschwarzen Momenten, wenn die Finsternis am schlimmsten ist, ist  Angst vielleicht besonders nahe. Angst, die zurzeit noch verstärkt wird dadurch, dass wir alle in unseren Sozialkontakten eingeschränkt sind und nahe Menschen nicht sehen dürfen. Da kann zuweilen das Herz schwer werden, voller Angst um sich selbst und um andere. In der Angst sind wir verbunden mit Menschen auf der ganzen Welt.  Kinder, Frauen und Männer in armen Ländern sind vor einer Erkrankung durch das Corona-Virus noch viel weniger geschützt als wir. Verbunden in der Angst.  Macht nicht das Wissen über unsere Verletzlichkeit und letztlich Sterblichkeit das Mensch-Sein aus? Jesus Christus geht mitten hinein in das Leiden, macht sich verletzlich, stirbt am Kreuz: „Seht, welch ein Mensch!“

 

 Was hilft gegen die Angst?! Im Johannesevangelium wird erzählt, dass Jesus Christus in dem Moment als die Finsternis am schlimmsten ist, Menschen einander anvertraut, damit sie nach seinem Tod einander beistehen und liebevoll füreinander sorgen. So vertraut Jesus seiner Mutter Maria seinen Lieblingsjünger Johannes an: „Frau, siehe, das ist dein Sohn!“ Und zu Johannes sagt Jesus: „Siehe, das ist deine Mutter!“ (Johannesevangelium 19,  26-27). Natürlich sind Maria und Johannes nicht leiblich miteinander verwandt. Sondern Jesus vertraut sie einander an, weit über persönliche Familienbeziehungen hinaus. Indem Maria und Johannes nicht allein auf sich selbst geworfen sind in ihrer Angst und Trauer, sondern füreinander sorgen, weisen sie gleichsam in der Liebe und Fürsorge über sich selbst heraus. Vielleicht haben Sie auch schon in manch dunklem Moment Ihres Lebens erfahren, dass es gerade in schweren Situationen gut tut, fürsorglich für jemand anderen da zu sein? Im Moment ist das Füreinander-Sorgen noch dadurch erschwert, dass wir andere Menschen ja kaum noch persönlich sehen und schon gar nicht berühren dürfen. Aber es gibt so viele Zeichen einander Mitgefühl, Nähe und Solidarität zu zeigen und sie werden gerade vielfältig gelebt zwischen den Generationen hier in unserer Gemeinde und Nachbarschaft.

 

Und dann gibt es noch Halt und Trost, der weit über unser menschliches Miteinander hinausreicht. Im christlichen Glauben sind wir hineingenommen in das Sterben vor allem aber in Auferstehung Jesu Christi. So schreibt der Apostel Paulus im zweiten Korintherbrief „Ist jemand in Jesus Christus so ist er – so ist sie – eine neue Kreatur“ (Kapitel 5, 17). Wir alle, mit all unserer Angst, mit unserer Verletzlichkeit und unserer Sterblichkeit  sind schon hineingenommen in das neue Leben, das Jesus Christus schenkt. 

Tiefschwarz ist der Karfreitag. Und tiefschwarz ist vielleicht mancher Moment in unserem Leben. Gerade jetzt. Aber dabei wird es nicht bleiben, es wird nicht lange dauern, dann wird das Licht des Ostermorgens alle Todesfinsternis überwinden: Das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden

(2. Korintherbrief 5,17)

 

Mit Segensgrüßen zum Karfreitag,

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

„Er war der Allerverachtetste…“

Jesaja 53,3

 

 

Vor 75 Jahren, im Frühjahr 1945 wurde das Bild, das Sie hier sehen, in den Trümmern der Lutherkirche aufgenommen. Seit Februar 1944 lag der Torso der Christusfigur im Trümmer-haufen, der von der Luther-kirche übriggeblieben war. Als Ende März 1945 der Einmarsch der amerikanischen Truppen bevorstand, begann man Panzersperren in den Straßen zu errichten. Dafür wurde Material aus den Trümmern geholt, unter anderem auch die zerborstene Figur des Gekreuzigten. Sie ragte heraus aus einer Panzersperre, mit einer Zipfelmütze auf dem Kopf.

Die Zipfelmütze auf dem Kopf des Christus aus der Lutherkirche: – Zynismus – Spott – Verachtung – Verbitterung - ???!!!

 

Vor den Bombenangriffen hing die Figur am Kreuz im Bogen vor dem Chorgewölbe, hoch über den Köpfen der Gemeinde.

Der Gekreuzigte, er wurde von den ersten Christinnen und Christen in Verbindung gebracht, identifiziert mit jenem Knecht Gottes, von dem im 53. Kapitel im Buch des Propheten Jesaja die Rede ist: „Er war der Allerverachtetste…“.

 

Diesen Allerverachtetsten aber verbunden zu sehen mit denen, die in der Nachbarschaft als Juden, Sintis und Romas, Sozialdemokraten, Kommunisten, Homosexuelle, Schwarze und Farbige oder den Menschen in den slawischen, sogenannten „Feindesländern“, die als „Untermenschen“ verachtet und diskriminiert wurden, das war vielen Christen und Christinnen fremd, die sich als „Arier“, als „Herrenmenschen“ fühlten.

 

Die Zipfelmütze auf dem Kopf des Christus, ich deute sie als Folge der „Christusvergessenheit“, sowohl von Christen als auch von Nichtchristen, die vergessen haben, dass Jesus Christus als Gottessohn erkannt worden ist, weil er identifiziert wurde mit dem, von dem wir bei Jesaja hören. „Er war der Allerverachtetste…“. An die Geschichte mit der Zipfelmütze auf dem Kopf des Christus aus der Lutherkirche nach 75 Jahren erinnere ich, damit wir nicht vergessen: Christus, (übersetzt: „der Gesalbte Gottes“) ist als der Allerverachtetste in der Mitte derer, die verachtet und diskriminiert werden.

 

Hans Reiner Haberstock, Pfr.

 

Gedanken zum Palmsonntag,

05. April 2020

 

Kennen Sie das auch, dass Ihnen manchmal zum Lachen und Weinen gleichzeitig zumute ist?

In diesen Wochen, die so geprägt und belastet sind durch die Corona-Epidemie, geht es mir öfters so: Ich sehe Nachrichten, lese die Zeitung und mir wird es bange ums Herz. Dann nehme ich wahr, wie Menschen einander Mitgefühl und Solidarität schenken, gerade auch über räumliche Distanz hinweg, so wie es auch an vielen Orten in unserer Gemeinde und unserer Nachbarschaft geschieht, und über diese Hoffnungszeichen muss ich lächeln. Und wenn ich nach draußen sehe, auf die Bäume, die gerade zartgrün sprossen, macht mein Herz zuweilen vor Freude einen Sprung.

Weinen und Lachen zugleich – diese Stimmung trifft sich mit Palmsonntag.  Denn der Sonntag, fünf Tage vor Karfreitag und eine Woche vor Ostern, ist voller Seufzen und Jubeln zugleich.

Das zeigt sich schon im Wochenpsalm, dem Psalm 69. Er beginnt mit den Worten:

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle...

In tiefe Wasser geraten zu sein und das Wasser geht bis zum Hals… Das Gefühl haben im Moment wohl viele Menschen, die unablässig für das Wohlergehen anderer arbeiten, besonders in den Krankenhäusern und in der Pflege. Aber auch in uns anderen kann in manchem Moment der Angst und Verunsicherung das Gefühl entstehen, dass die Wasser immer höher steigen.

 

Ganz anders von der Stimmung– voller Jubel und Freude- ist dagegen das Evangelium für den Palmsonntag (Johannesevangelium 12, 12-19). Dort wird erzählt wie Jesus auf einem jungen Esel einreitet in Jerusalem. Auch der Prophet Sacharja klingt hinein, wenn es heißt: „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion!

Siehe dein König kommt und reitet auf einem Eselfüllen.“  

Jesus Christus, ein König - aber was für einer!  Keiner, der kommt auf einem Pferd, geübt darin in die Schlacht zu reiten, umgeben von Soldaten und Waffen. Stattdessen kommt Jesus auf einem Esel, diesem so eigenwilligen wie friedliebenden Tier. Ganz schutzlos kommt Jesus. Und die Menschen, so erzählen es die Evangelisten Markus (Kapitel 11) und Matthäus (Kapitel 21), brechen Palmzweige ab, bereiten damit Jesus einen Weg und jubeln vor Freude „Hosianna!“ - „Hosianna“, das ist ein Freuderuf. Und zugleich eine Klage und Bitte: „Hilf doch!“

 

Wie verwundbar Jesus Christus selbst ist, das zeigt sich fünf Tage nach Palmsonntag, am Karfreitag: Jesus Christus bespuckt und geschlagen, verurteilt, stirbt am Kreuz. In der Stunde seines Todes schreit Jesus Christus: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus-Evangelium 15,34; Matthäus-Evangelium 27,45). Wie viele schreien wohl mit Jesus in diesen Tagen, da Menschen auf der ganzen Welt schwer an Corona erkranken?!

 Aber gerade indem Jesus Christus mitten hinein geht in das Leid, stellt er sich ganz und gar auf die Seite der Leidenden – und das heißt in diesen Wochen auch: auf die Seite, der Menschen, die schwer erkrankt sind, genauso wie auf die Seite derer, die nun unablässig um sie sorgen.

Und noch mehr: indem sich Jesus Christus auf die Seite der Leidenden stellt, wird er Schmerz und Leid durchbrechen. Denn nicht der Karfreitag mit all seiner Todesfinsternis ist das Ende der Geschichte. Sondern die Geschichte geht am Ostersonntag weiter:  Jesus Christus ist auferstanden. Licht und Hoffnung schreiben sich auch in unser Leben hinein.

 

Weinen und Lachen. Seufzen und Jubeln. Karfreitag und Ostern. All das bildet sich schon im Palmsonntag ab. Ein Sonntag, an dem wir vielleicht mal laut und mal leise, mal ängstlich und mal zuversichtlich mit Menschen auf der ganzen Welt rufen: „Hosianna! Hilf doch!“

 

Melanie Lohwasser, Pfarrerin

Psalm 43

1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Psalm 95, 1-7

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein. Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet.

 

Foto: H.R. Haberstock 1999:

Sonnenaufgang auf dem Berg Horeb im Sinai

 

Öffnungszeiten

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